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Al-Mudawwana al-Kubra
Autor: Sahnun al-Tanukhi (gest. 240 n.H.)
Entstehungsgeschichte: Die "Mutter" des Madhhabs
Die Mudawwana ist das Ergebnis eines mehrstufigen Prozesses:
Die Asadiyya: Asad ibn al-Furat zeichnete die Antworten von Ibn al-Qasim (Maliks engstem Schüler) auf.
Die Verfeinerung: Sahnun brachte diese Aufzeichnungen zurück zu Ibn al-Qasim, um sie zu verifizieren, zu "polieren" und zweifelhafte Meinungen zu entfernen.
Die Kodifizierung: Sahnun ordnete das Material systematisch und fügte Belege aus dem Muwatta hinzu.
Die Schlüsselakteure
Imam Malik (gest. 179 n.H.): Die Urquelle der Prinzipien.
Ibn al-Qasim (gest. 191 n.H.): Verbrachte 20 Jahre mit Malik. Er gilt als die absolut verlässlichste Quelle für Maliks spätere Rechtsmeinungen.
Sahnun (gest. 240 n.H.): Der Architekt der Mudawwana, der sie zum Standardwerk des Maghreb und Al-Andalus machte.
Methodik & Inhalt
Das Werk umfasst ca. 30.000 bis 35.000 Rechtsfragen (Masa'il) im Frage-Antwort-Stil. Es ist berühmt für die Behandlung praktischer und hypothetischer Szenarien.
Thematische Gliederung (Kitabs)
Ibadat: Gebet, Reinheit, Zakat, Hajj.
Mu'amalat: Verkauf (Buyu), Zinsverbot (Riba), Partnerschaften (Shirka), Stiftungen (Waqf).
Familienrecht: Ehe, Scheidung, Erbrecht.
Straf- & Prozessrecht: Hudud-Strafen, Zeugenaussagen, Gerichtsentscheidungen.
Spezialthemen: Dschihad, Jagd, Schächtung.
Bedeutung
Die Mudawwana übertraf alle anderen frühen Texte an Autorität. Sie wird als "Umm al-Barahin" (Mutter der Beweise) bezeichnet. Ein Maliki-Jurist, der die Mudawwana nicht beherrscht, gilt als unvollständig in seinem Verständnis des Madhhabs.