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Salah (Das Gebet) in der Hanbali-Schule

Die Hanbali-Schule unterscheidet sich im Gebet vor allem durch die Einstufung vieler Bewegungen und kurzer Formeln als zwingende Pflichten (Wajibat), die bei Vergessenheit einen Sujud as-Sahw erfordern.


1. Vorbedingungen (Shurut)

Fard (Bedingungen für die Gültigkeit)

  1. Rituelle Reinheit (Wudu/Ghusl).
  2. Reinheit von Körper, Kleidung und Gebetsplatz von Najasah.
  3. Bedeckung der 'Awrah:
    • Männer: Bauchnabel bis Knie.
    • Frauen: Gesamter Körper außer Gesicht. (Die Hände gelten in der Hanbali-Schule oft als 'Awrah im Gebet und sollten bedeckt sein, im Gegensatz zu den anderen Schulen).
  4. Eintritt der Zeit.
  5. Ausrichtung zur Qiblah.
  6. Die Niyyah (Absicht).

2. Die Säulen (Arkan) des Gebets

Wird ein Rukn weggelassen, ist das Gebet ungültig.

  1. Takbirat al-Ihram ("Allahu Akbar" am Anfang).
  2. Qiyam (Stehen).
  3. Rezitation der Al-Fatihah: Fard in jeder Raka'ah (außer für denjenigen, der hinter einem laut rezitierenden Imam steht – hier gibt es unterschiedliche Meinungen, oft wird Schweigen bevorzugt).
  4. Ruku' (Verbeugung).
  5. I'tidal (Aufrichten aus dem Ruku').
  6. Sujud auf sieben Knochen (Stirn/Nase, 2 Hände, 2 Knie, 2 Zehenreihen).
  7. Julus (Sitzen zwischen den Sujuds).
  8. Tuma'ninah (Ruhe) in allen Positionen.
  9. Das letzte Sitzen.
  10. Das Rezitieren des letzten Tashahhud.
  11. Der Salawat (Segenswunsch) auf den Propheten ﷺ im letzten Sitzen.
  12. Beide Salams (Taslimatani): Hanbali-Besonderheit: Es ist Fard/Rukn, den Salam zweimal zu sprechen ("As-Salamu 'alaikum wa rahmatullah" nach rechts UND nach links). In den anderen Schulen ist nur der erste Salam Fard.
  13. Tartib (Reihenfolge).

3. Die Pflichten (Wajibat) des Gebets

Wird ein Wajib absichtlich weggelassen, ist das Gebet ungültig. Wird es vergessen, wird es durch Sujud as-Sahw repariert. Hier ist die Hanbali-Schule sehr spezifisch!

  1. Alle Takbirs des Wechsels (Takbirat al-Intiqal): Das "Allahu Akbar" beim Bewegen in den Ruku' oder Sujud ist Wajib. (In anderen Schulen nur Sunnah).
  2. "Sami'allahu liman hamidah": Wajib für den Imam und den Einzelbeter.
  3. "Rabbana wa lakal hamd": Wajib für jeden (Imam, Ma'mum, Einzelbeter).
  4. Das Tasbih im Ruku': Einmal "Subhana Rabbiyal 'Azim" zu sagen ist Wajib.
  5. Das Tasbih im Sujud: Einmal "Subhana Rabbiyal A'la" zu sagen ist Wajib.
  6. Das Bittgebet zwischen den Sujuds: Einmal "Rabbighfir li" zu sagen ist Wajib.
  7. Das erste Sitzen (Tashahhud Ula).
  8. Das Rezitieren des ersten Tashahhud.

4. Die Sunnah-Handlungen (Sunan)

  • Eröffnungs-Dua: "Subhanakallahumma..." (leise).
  • A'udhu billah und Basmalah: Werden im Fard-Gebet leise (sirr) gesprochen, auch wenn die Fatihah laut rezitiert wird.
  • Amin: Wird laut gesprochen in lauten Gebeten.
  • Hände heben (Raf' al-Yadayn): Bis zu den Schultern (oder Ohrläppchen) beim ersten Takbir, beim Gehen in den Ruku', beim Aufrichten aus dem Ruku' (und nach Hanbalis oft auch beim Aufstehen in die 3. Raka'ah).
  • Hände falten (Qabd): Die rechte Hand auf die linke legen. Bevorzugt unter dem Bauchnabel (wie bei Hanafi), einige Überlieferungen von Imam Ahmad sagen "über dem Bauchnabel/unter der Brust" (wie Shafi'i). Beide sind zulässig.
  • Der Blick ruht auf dem Ort der Niederwerfung.

5. Das Witr-Gebet

  • Witr ist eine Sunnah Mu'akkadah (kein Wajib wie bei Hanafi).
  • Es wird meist als 2 Raka'at (Shaf') mit Salam, plus 1 Raka'ah (Witr) mit Salam gebetet (wie bei Maliki/Shafi'i).
  • Der Qunut: Wird im Witr-Gebet das ganze Jahr über gesprochen (nicht nur im Ramadan).
  • Der Qunut wird nach dem Ruku' der letzten Raka'ah gesprochen, und es ist Sunnah, dabei die Hände zum Dua zu erheben. Im Fajr-Gebet wird nach der Hanbali-Schule kein Qunut gesprochen (außer in Krisenzeiten - Qunut al-Nazilah).