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Salah (Das Gebet) in der Hanbali-Schule
Die Hanbali-Schule unterscheidet sich im Gebet vor allem durch die Einstufung vieler Bewegungen und kurzer Formeln als zwingende Pflichten (Wajibat), die bei Vergessenheit einen Sujud as-Sahw erfordern.
1. Vorbedingungen (Shurut)
Fard (Bedingungen für die Gültigkeit)
- Rituelle Reinheit (Wudu/Ghusl).
- Reinheit von Körper, Kleidung und Gebetsplatz von Najasah.
- Bedeckung der 'Awrah:
- Männer: Bauchnabel bis Knie.
- Frauen: Gesamter Körper außer Gesicht. (Die Hände gelten in der Hanbali-Schule oft als 'Awrah im Gebet und sollten bedeckt sein, im Gegensatz zu den anderen Schulen).
- Eintritt der Zeit.
- Ausrichtung zur Qiblah.
- Die Niyyah (Absicht).
2. Die Säulen (Arkan) des Gebets
Wird ein Rukn weggelassen, ist das Gebet ungültig.
- Takbirat al-Ihram ("Allahu Akbar" am Anfang).
- Qiyam (Stehen).
- Rezitation der Al-Fatihah: Fard in jeder Raka'ah (außer für denjenigen, der hinter einem laut rezitierenden Imam steht – hier gibt es unterschiedliche Meinungen, oft wird Schweigen bevorzugt).
- Ruku' (Verbeugung).
- I'tidal (Aufrichten aus dem Ruku').
- Sujud auf sieben Knochen (Stirn/Nase, 2 Hände, 2 Knie, 2 Zehenreihen).
- Julus (Sitzen zwischen den Sujuds).
- Tuma'ninah (Ruhe) in allen Positionen.
- Das letzte Sitzen.
- Das Rezitieren des letzten Tashahhud.
- Der Salawat (Segenswunsch) auf den Propheten ﷺ im letzten Sitzen.
- Beide Salams (Taslimatani): Hanbali-Besonderheit: Es ist Fard/Rukn, den Salam zweimal zu sprechen ("As-Salamu 'alaikum wa rahmatullah" nach rechts UND nach links). In den anderen Schulen ist nur der erste Salam Fard.
- Tartib (Reihenfolge).
3. Die Pflichten (Wajibat) des Gebets
Wird ein Wajib absichtlich weggelassen, ist das Gebet ungültig. Wird es vergessen, wird es durch Sujud as-Sahw repariert. Hier ist die Hanbali-Schule sehr spezifisch!
- Alle Takbirs des Wechsels (Takbirat al-Intiqal): Das "Allahu Akbar" beim Bewegen in den Ruku' oder Sujud ist Wajib. (In anderen Schulen nur Sunnah).
- "Sami'allahu liman hamidah": Wajib für den Imam und den Einzelbeter.
- "Rabbana wa lakal hamd": Wajib für jeden (Imam, Ma'mum, Einzelbeter).
- Das Tasbih im Ruku': Einmal "Subhana Rabbiyal 'Azim" zu sagen ist Wajib.
- Das Tasbih im Sujud: Einmal "Subhana Rabbiyal A'la" zu sagen ist Wajib.
- Das Bittgebet zwischen den Sujuds: Einmal "Rabbighfir li" zu sagen ist Wajib.
- Das erste Sitzen (Tashahhud Ula).
- Das Rezitieren des ersten Tashahhud.
4. Die Sunnah-Handlungen (Sunan)
- Eröffnungs-Dua: "Subhanakallahumma..." (leise).
- A'udhu billah und Basmalah: Werden im Fard-Gebet leise (sirr) gesprochen, auch wenn die Fatihah laut rezitiert wird.
- Amin: Wird laut gesprochen in lauten Gebeten.
- Hände heben (Raf' al-Yadayn): Bis zu den Schultern (oder Ohrläppchen) beim ersten Takbir, beim Gehen in den Ruku', beim Aufrichten aus dem Ruku' (und nach Hanbalis oft auch beim Aufstehen in die 3. Raka'ah).
- Hände falten (Qabd): Die rechte Hand auf die linke legen. Bevorzugt unter dem Bauchnabel (wie bei Hanafi), einige Überlieferungen von Imam Ahmad sagen "über dem Bauchnabel/unter der Brust" (wie Shafi'i). Beide sind zulässig.
- Der Blick ruht auf dem Ort der Niederwerfung.
5. Das Witr-Gebet
- Witr ist eine Sunnah Mu'akkadah (kein Wajib wie bei Hanafi).
- Es wird meist als 2 Raka'at (Shaf') mit Salam, plus 1 Raka'ah (Witr) mit Salam gebetet (wie bei Maliki/Shafi'i).
- Der Qunut: Wird im Witr-Gebet das ganze Jahr über gesprochen (nicht nur im Ramadan).
- Der Qunut wird nach dem Ruku' der letzten Raka'ah gesprochen, und es ist Sunnah, dabei die Hände zum Dua zu erheben. Im Fajr-Gebet wird nach der Hanbali-Schule kein Qunut gesprochen (außer in Krisenzeiten - Qunut al-Nazilah).