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Biografie: Imam Ahmad ibn Hanbal
Ahmad ibn Muhammad ibn Hanbal (164-241 n. H.) ist der Namensgeber der hanbalitischen Rechtsschule. Er gilt weithin als der unangefochtene Meister der Hadith-Wissenschaften (Ahl al-Hadith) seiner Zeit und als Retter der sunnitischen Orthodoxie ('Aqida) während der Mihna-Inquisition.
Leben und Wirken
Ahmad ibn Hanbal wurde in Bagdad geboren. Er reiste sein Leben lang durch die gesamte islamische Welt (Syrien, Hejaz, Jemen, Kufa, Basra), um Hadithe zu sammeln. Sein berühmtester Lehrer in der Jurisprudenz (Fiqh) war Imam al-Shafi'i in Bagdad. Al-Shafi'i sagte über ihn: "Ich habe Bagdad verlassen und niemanden zurückgelassen, der frommer, gottesfürchtiger und wissender im Recht (Fiqh) ist als Ahmad ibn Hanbal."
Seine Methodik
Imam Ahmad wollte eigentlich keine eigene Rechtsschule gründen. Er untersagte seinen Schülern strengstens, seine Meinungen (Fatwas) niederzuschreiben, da er wollte, dass die Menschen dem Hadith folgen und nicht ihm. Seine Schüler (wie Abu Bakr al-Khallal) sammelten seine Aussagen jedoch nach seinem Tod.
Seine Methode zeichnet sich aus durch:
- Den absoluten Vorrang des Textes (Nass): Qur'an und Sunnah (Hadith) sind die einzigen wirklichen Quellen.
- Die Fatwas der Sahaba (Prophetengefährten): Wenn sich die Gefährten einig waren, folgte er ihnen. Wenn sie unterschiedlicher Meinung waren, wählte er die Meinung, die dem Hadith am nächsten war.
- Mursal und Da'if Hadithe (Schwache Hadithe): In Fällen, in denen es keine starken Hadithe gab, zog er einen schwachen Hadith (solange er nicht erfunden/Mawdu' war) dem menschlichen Analogieschluss (Qiyas) vor.
- Qiyas (Analogie) als absoluter Notnagel: Er wandte Qiyas nur an, wenn es absolut keine andere textliche Grundlage gab.
Das Hauptwerk: Al-Musnad
Sein Lebenswerk ist der Musnad Ahmad, eine der größten jemals zusammengestellten Hadith-Sammlungen, die über 27.000 Überlieferungen des Propheten ﷺ enthält, geordnet nach den Namen der überliefernden Sahaba.
Die Mihna (Die Inquisition)
Der Name Ahmad ibn Hanbal ist untrennbar mit der "Mihna" verbunden. Der abbasidische Kalif al-Ma'mun übernahm die mu'tazilitische theologische Ansicht, dass der Qur'an "erschaffen" (makhluq) sei. Alle Gelehrten wurden gezwungen, dies zu bekennen; wer sich weigerte, wurde getötet, ins Gefängnis geworfen oder gefoltert. Die meisten Gelehrten gaben (teils unter Vorbehalt) nach, um ihr Leben zu retten. Imam Ahmad weigerte sich jedoch standhaft, um das theologische Fundament der Ummah zu schützen. Er wurde unter drei Kalifen jahrelang in den Kerker geworfen und brutal ausgepeitscht (bis zu 80 Peitschenhiebe am Tag). Erst unter dem Kalifen al-Mutawakkil (und endgültig unter al-Mutawakkil, der die Mihna beendete) kam er frei. Er ging als "Imam Ahl al-Sunnah" (Der Imam der Sunniten) in die Geschichte ein.