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Biografie: Imam Malik ibn Anas
Imam Malik ibn Anas (93-179 n. H.) ist der Begründer der nach ihm benannten malikitischen Rechtsschule (Madhhab). Er lebte und lehrte in Medina, der Stadt des Propheten Muhammad ﷺ, was seine theologische und juristische Methodik entscheidend prägte.
Leben und Wirken
Malik wurde in Medina geboren und verließ die Stadt zeit seines Lebens kaum. Er studierte bei den großen Gelehrten der Tabi'in (der Generation nach den Prophetengefährten), darunter Nafi' (der Freigelassene von Ibn 'Umar) und Ibn Shihab al-Zuhri. Seine starke Verbindung zu Medina veranlasste ihn, die gelebte Praxis der Einwohner Medinas ('Amal Ahl al-Madina) als stärksten Beweis für die Sunnah zu werten, noch vor isolierten Ahadith (Ahad).
Seine Methodik
Imam Malik war berühmt für seine extreme Vorsicht beim Erlassen von Rechtsurteilen (Fatwa). Es wird berichtet, dass er auf dutzende Fragen schlicht mit "Ich weiß es nicht" (La adri) antwortete. Seine Methode umfasste:
- Den Qur'an.
- Die Sunnah (vor allem durch den 'Amal der Leute von Medina bestätigt).
- Den Konsens (Ijma') der Gelehrten Medinas.
- Den Analogieschluss (Qiyas).
- Das Gemeinwohl (Maslaha Mursala) – ein Prinzip, das die Maliki-Schule stark von anderen abhebt.
Das Hauptwerk: Al-Muwatta
Sein berühmtestes Werk ist der Muwatta (Der geebnete Pfad), eine der frühesten Sammlungen von Hadithen und Rechtsurteilen der Sahaba. Es ist weniger ein reines Hadithbuch als vielmehr ein Handbuch der praktischen Jurisprudenz in Medina.
Die Mihna (Prüfung)
Imam Malik scheute sich nicht, der Obrigkeit zu widersprechen. Er erließ eine Fatwa, die besagte, dass ein Schwur (oder eine Scheidung), der unter Zwang geleistet wurde, ungültig sei. Der abbasidische Kalif al-Mansur interpretierte dies als Aufruf zur Rebellion (da der Treueschwur auf den Kalifen oft erzwungen wurde). Daraufhin wurde Imam Malik öffentlich ausgepeitscht und an den Schultern so schwer verletzt, dass er seine Arme im Gebet nicht mehr auf der Brust falten konnte – ein Vorfall, der oft als Grund für das "Sadl" (Hängenlassen der Arme) bei den Malikiten genannt wird.