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Taharah (Rituelle Reinheit) in der Maliki-Schule
Die Maliki-Schule zeichnet sich in der Reinheit durch eine starke Betonung der aktiven körperlichen Handlung aus. Zwei Dinge sind hier besonders wichtig: Das "Abreiben" (Dalk) und die durchgehende "Zügigkeit" (Muwalat) sind absolute Pflicht.
1. Wasserarten
Ein markanter Unterschied zur Shafi'i-Schule: Wasser wird nicht automatisch unrein (Najis), wenn eine kleine Menge Unreinheit hineinfällt, solange sich Farbe, Geschmack oder Geruch nicht verändern. Dies gilt unabhängig davon, wie wenig Wasser es ist (es gibt keine "Qullatayn"-Regel wie bei den Shafi'is).
2. Wudu (Die kleine rituelle Waschung)
Die Maliki-Schule definiert 7 Pflichten (Fara'id) für das Wudu.
Fard (Absolut verpflichtend)
Das Weglassen auch nur einer dieser Handlungen macht das Wudu ungültig.
- Die Niyyah (Absicht): Gefasst beim Beginn des Waschens des Gesichts.
- Waschen des Gesichts (einmalig).
- Waschen beider Arme inklusive der Ellbogen.
- Streichen (Masah) über den GESAMTEN Kopf: (Im Gegensatz zu Hanafi (1/4) und Shafi'i (ein Teil) muss nach Maliki der ganze Kopf gestrichen werden).[^1]
- Waschen beider Füße inklusive der Knöchel.
- Dalk (Das Abreiben): Es reicht nicht aus, das Wasser nur über die Haut fließen zu lassen oder die Gliedmaßen ins Wasser zu tauchen. Man muss zwingend mit der Hand über die gewaschenen Körperteile reiben.[^2]
- Muwalat (Zügigkeit / Kontinuität): Das Wudu muss in einem Zug ohne große Unterbrechung durchgeführt werden. Trocknet ein Körperteil bei normalen Bedingungen, bevor man das nächste wäscht, ist das Wudu ungültig und muss von vorn begonnen werden.[^3]
Sunnah (Empfohlen)
[^1]: Basierend auf der Interpretation von Qur'an 5:6 und der Praxis der Gefährten in Medina, die den Kopf als eine zusammenhängende Einheit beim Masah betrachteten. [^2]: Imam Malik bezog sich hierbei auf linguistische Definitionen des Wortes Ghasl (Waschen), das im Arabischen oft eine physische Reibung impliziert. [^3]: Gestützt auf einen Hadith bei Abu Dawud, in dem der Prophet ﷺ einen Mann anwies, sein Wudu und Gebet zu wiederholen, weil ein trockener Fleck in der Größe einer Münze an seinem Fuß zurückgeblieben war. Handlungen, deren Unterlassung das Wudu nicht ungültig macht, die aber tadelnswert sind, wenn sie weggelassen werden.
- Waschen der Hände bis zu den Handgelenken zu Beginn.
- Mund ausspülen (Madmadah) und Wasser in die Nase ziehen (Istinshaq).
- Das Streichen der Ohren (innen und außen) mit neuem Wasser.
- Das Erneuern des Wassers für den Kopf.
- Das Waschen jedes Körperteils dreimal (das erste Mal ist Fard, zweites/drittes Mal Sunnah).
- Das Einhalten der Reihenfolge (Tartib). (Achtung: Die Reihenfolge ist in der Maliki-Schule nur Sunnah, nicht Fard wie bei den Shafi'is!)
Mustahabb / Fada'il (Lobenswert)
- Aussprechen der Basmalah. (Im Maliki-Fiqh ist die Basmalah beim Wudu weniger stark betont als in anderen Schulen).
- Verwendung des Miswak.
- Mit rechts beginnen.
3. Was das Wudu bricht (Nawaqid)
Die Maliki-Schule hat eine mittlere Position beim Berühren des anderen Geschlechts.
- Ausscheidungen aus den beiden Wegen.
- Schlaf: Tiefer Schlaf bricht das Wudu, unabhängig von der Sitzposition. Leichter Schlaf bricht es nicht.
- Hautkontakt mit dem anderen Geschlecht: Dies bricht das Wudu nur dann, wenn es mit sexueller Lust (Ladhdhah) geschieht oder man die Lust dabei beabsichtigt. (Die goldene Mitte zwischen Hanafi (bricht nie) und Shafi'i (bricht immer).
- Berühren der eigenen Genitalien: Bricht das Wudu nur, wenn es mit der Handinnenfläche geschieht.
4. Ghusl (Die große rituelle Waschung)
Fard
- Niyyah (Absicht).
- Das Wasser über den gesamten Körper fließen lassen, inklusive der Kopfhaut. (Bei Frauen: Wenn die Haare geflochten sind, müssen sie nicht zwingend geöffnet werden, solange das Wasser die Kopfhaut erreicht).
- Dalk (Das Abreiben): Wie beim Wudu ist das aktive Abreiben des gesamten Körpers Fard.
- Muwalat (Zügigkeit).
- Khilal al-Sha'r: Das Durchkämmen der Haare mit den Fingern bis zur Wurzel.
Sunnah
- Zuerst die Hände waschen.
- Die Unreinheit (Najasah) vom Körper entfernen.
- Mund und Nase ausspülen.
- Die Ohrmuscheln (außen) waschen.
5. Tayammum (Die trockene Waschung)
Das Tayammum wird bei Fehlen von Wasser oder Gefahr für die Gesundheit angewendet. Nach Maliki-Ansicht kann man für das Tayammum alles verwenden, was zur natürlichen Erdoberfläche gehört (Sand, Stein, Lehm, Schnee, Eis - solange es nicht von Menschen verändert/verbrannt wurde).
Fard
- Niyyah: Die Absicht, die Verrichtung des Gebets zu erlauben.
- Sa'id Tahir (Reine Erde/Oberfläche): Das Schlagen auf die Erde.
- Streichen über das gesamte Gesicht.
- Streichen über beide Hände bis zu den Handgelenken. (Achtung: Im Gegensatz zu Hanafi/Shafi'i ist das Streichen bis zu den Ellbogen hier nur Sunnah, nicht Fard).
- Der erste Schlag auf die Erde.
- Muwalat (Zügigkeit).
- Muttasil: Das Tayammum muss unmittelbar vor dem Gebet (ohne große Pause) durchgeführt werden.
Sunnah
- Die Reihenfolge einhalten.
- Das Streichen der Arme von den Handgelenken bis zu den Ellbogen.
- Ein zweiter Schlag auf die Erde (für die Arme).