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Bidayat al-Mujtahid wa Nihayat al-Muqtasid
Autor: Ibn Rushd al-Hafid (Averroes) (gest. 595 n.H.)
Charakteristik
Ein Meisterwerk der Rechtslogik und der komparativen Jurisprudenz (Fiqh al-Muqaran). Ibn Rushd analysiert, warum Juristen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Die sechs Gründe für Meinungsverschiedenheiten (Asbab al-Ikhtilaf)
Ibn Rushd identifiziert fundamentale linguistische und methodische Ursachen:
Mehrdeutigkeit der Sprache (Ishtirak): Wörter mit mehreren Bedeutungen (z.B. quru' für Reinheit oder Menstruation).
Allgemeinheit vs. Spezifität: Ist ein Wort allgemein gemeint oder auf einen speziellen Fall begrenzt?
Literalität vs. Metaphorik: Soll ein Text wörtlich oder im übertragenen Sinne verstanden werden?
Befehl und Verbot: Drückt ein Imperativ eine Pflicht (Wudschub) oder eine Empfehlung (Nadb) aus?
Widerspruch zwischen Beweisen (Ta’arud): Wenn zwei authentische Hadithe sich scheinbar widersprechen (Versöhnung, Abwägung oder Abrogation).
Differenzen in den Rechtsquellen (Usul): Uneinigkeit über die Gültigkeit von Quellen wie Analogie (Qiyas) oder die Praxis Medinas ('Amal).
Ziel des Werkes
Ibn Rushd möchte den Leser von der bloßen Nachahmung (Taqlid) zur eigenständigen juristischen Reflexion führen. Er zeigt, dass Meinungsverschiedenheiten oft eine logische Folge der Komplexität von Sprache und Offenbarung sind.